Bearbeiten individueller Probleme
- Persistierende Schizophreniesymptome
Etwa jeder fünfte Patient leidet unter produktiven Symptomen, die sich als the-rapieresistent erweisen, am häufigsten akustische Halluzinationen und Wahn-vorstellungen. Auch hier ist es wichtig, eine angemessene Reaktion der Ange-hörigen auf den Patienten zu fördern und Akzeptanz zu erzielen. Mit den Pati-enten können in Einzelkontakten Bewältigungsmöglichkeiten gesucht werden. Durch bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit und entspannende oder ab-lenkende Maßnahmen kann die subjektive Beeinträchtigung vermindert wer-den. Dysfunktionale Bewältigungsversuche wie der Versuch, die Symptome zu unterdrücken oder sich mit ihnen auseinanderzusetzen, können abgebaut wer-den.
- Ängste
Wenngleich schizophrene Patienten eher unspezifische, generalisierte Ängste beklagen, lassen sich doch mit Hilfe gründlicher Verhaltensanalysen oft angst-steigernde situative Faktoren und entsprechende Vermeidungstendenzen er-mitteln. Auf dieser Grundlage können Konfrontationsübungen geplant und durchgeführt werden, die sich an den allgemeinen Behandlungsprinzipien für Angststörungen orientieren. Zu beachten ist bei schizophrenen Patienten, dass Intensität und Dauer von Expositionen der individuellen Belastbarkeit an-gepasst werden müssen, so dass sich ein graduiertes Vorgehen in Begleitung empfiehlt.
Als weitere Behandlungsmaßnahme zur Bewältigung von Ängsten bietet sich die „Sicherheitsnetz-" oder „Katastrophisierungstechnik" an. Hierbei werden angstbesetzte Vorstellungen in sensu durchlaufen. Bei jedem angsterregen-den Schritt erfolgen eine Unterbrechung und die Aufforderung, das schlimmst-mögliche Szenario vorzustellen. Anschließend wird eine Bewältigungsmög-lichkeit erarbeitet. Auch das bewusste Akzeptieren und Annehmen der eige-nen Ohnmacht kann zu einer Entlastung führen!
- Depressionen
Bei schizophrenen Patienten treten häufig starke Depressionen auf, wenn sie die akute Krankheitsphase überstanden haben und sich ihrer verbliebenen Beeinträchtigung bewusst werden. Die Betroffenen erkennen, dass sie man-che Zukunftspläne aufgeben oder auf unbestimmte Zeit verschieben müssen und sie leiden unter der Stigmatisierung, die eine psychotische Erkrankung mit sich bringen kann. Depression kann ferner eine biologisch bedingte Teilkom-ponente der schizophrenen Erkrankung oder Folge der Behandlung mit Anti-psychotischen Drogen sein. Diese Symptomatik geht mit einem hohen Suizid-risiko einher und stellt ein ernsthaftes Problem dar. Eine medikamentöse Be-handlung mit Antidepressiva sollte versucht werden, bewirkt aber nur in man-chen Fällen eine Besserung.
Auch über diese Symptomatik sollte eine ausführliche Aufklärung erfolgen und das Suizidrisiko offen mit den Betroffenen und ihren Angehörigen angespro-chen werden. Die Behandlung orientiert sich auch hier an den gängigen Ver-fahren zur Behandlung von Depressionen. Nach einer detaillierten Analyse des depressiven Verhaltens auf motorischer, emotionaler und kognitiver Ebe-ne wird der Aufbau positiven Verhaltens gefördert und eine kognitive Umstruk-turierung angestrebt. In der therapeutischen Beziehung kann hier der Wen-dung von Aggressionen gegen das eigene Selbst in Form von selbstbestra-fendem Verhalten die Akzeptanz aggressiver Impulse wirksam entgegen ge-setzt werden.
Literatur: Hahlweg/Dürr/Müller: Familienbetreuung schizophrener Patienten - Wein-heim 1995