Kommunikationstraining
Durch einen hohen Wissensstand können Ängste, Schuldgefühle und Vorwürfe in der Familie vermindert werden. Die Stressbelastung für den Patienten sinkt. Diese Erfolge lassen sich aber nicht über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten und bieten keinen dauerhaften Schutz vor Rückfällen. Oft muss sich daher eine Phase des Kommunikations- und Problemlösetrainings für die gesamte Familie an-schließen. Ziel ist, aktuelle Konflikte und Probleme in einer sachlichen Atmosphäre lösen zu können. Im Sinne einer „Hilfe zur Selbsthilfe" soll die Fähigkeit vermittelt werden, auch zukünftige Probleme selbständig zu lösen und die Lebensqualität der ganzen Familie zu verbessern. Wird dies über einen ausreichenden Zeitraum geübt, konnte im Rahmen von Forschungsprojekten die Rückfallrate deutlich vermindert werden. Geübt wird:
1. Spezifisches Ausdrücken positiver Gefühle
Hiermit soll das Einüben neuer Kommunikationsformen erleichtert und die Motivation erhöht werden. Die Sensibilität für positive Aspekte des Zu-sammenlebens wird gesteigert, die oft durch Probleme und Schwierigkei-ten in den Hintergrund gedrängt worden sind.
2. Konstruktives Mitteilen von Wünschen
Wünsche nach Änderung des Verhaltens eines Familienmitgliedes werden oft als Forderung oder Anschuldigung ausgesprochen. Dies ruft meist Wi-derstand hervor mit der Folge, dass der Wunsch nicht erfüllt wird. Es ent-stehen Enttäuschung, Ärger und Hoffnungslosigkeit. Der Therapeut ver-sucht, ungünstige Kommunikationsstile wie Vorwürfe, Drohungen und de-struktive Kritik, die oft in fruchtlose Auseinandersetzungen münden, durch spezifisches Äußern von Bitten und Wünschen zu ersetzen.
3. Spezifisches Ausdrücken negativer Gefühle
Die mangelnde Fähigkeit, negative Gefühle angemessen auszudrücken, führt zu spannungsreichen, feindseligen Auseinandersetzungen. Sammeln sich ärgerliche Situationen an, droht eine Eskalation. Gegenseitige Be-schuldigungen und Angriffe bauen die Spannung nicht ab, sondern ver-schärfen sie noch. Eine andere Möglichkeit ist die Vermeidung, negative Gefühle zu beachten. Es entsteht ein Ungleichgewicht in der emotionalen Beziehung und eine Kompensation durch Überfürsorglichkeit oder ande-res latent aggressives Verhalten. Ziel ist, auch negative Gefühle sachlich-freundlich und ohne Vorwurf auszusprechen, die erwünschte Veränderung konkret zu beschreiben und die dadurch entstehenden Vorteile deutlich zu machen (vor allem auch, dass man sich besser fühlt)
4. Aktives Zuhören
Hiermit üben die Zuhörer, empathisch auf den Gesprächspartner einzuge-hen und unklare oder widersprüchliche Botschaften zu klären. Dabei übt der Zuhörer, sich zu konzentrieren und eigene Äußerungen solange zu-rückzuhalten, bis der Andere ausgesprochen hat.